Sinn und Zweck dieser Homepage

Als Linguist (Sprachforscher), der sich seit Jahren mit verschiedenen Indianersprachen - und Dialekten befasst, werde ich von Individuen und Unternehmen oft gefragt: " Was heißt dies oder jenes in der Sprache der Indianer?"
Sehr zur Verwirrung meiner Gesprächspartner besteht meine Antwort meist aus einer Gegenfrage: "Was heißt dieses oder jenes auf europäisch?"
Tatsache ist: Die Sprache der Lakota unterscheidet sich in Wortschatz und Grammatik vom Navaho oder Comanche so wie Türkisch oder Italienisch vom Deutschen.

Mit der Hilfe meiner Adoptivtochter Sandra habe ich diese Seite geschaffen, weil ich über das Unwissen vieler Indianerfreunde, sowie dem rapiden Aussterben indianischer Sprachen sehr betroffen bin. Fast monatlich stirbt irgendeine der noch wenigen verbliebenen Sprachen aus, und mit dem Sterben der jeweiligen Sprache stirbt auch ein großer Teil der Kultur dieses Volkes. Über die derzeitige Situation kann man sich auf dieser Webseite unter dem Thema "Einführung" informieren.

Vor etwa 300 Jahren schrieb James Fenimore Cooper seinen Roman "Der letzte Mohikaner". Nun, obwohl es die Mohikaner als Volksgruppe noch gibt, so ist ihre Sprache und damit ein großer Teil ihrer Kultur erloschen. Kulturell gesehen kann man also schon sagen, dass es heute keine Mohikaner mehr gibt. Die Frage ist, wann uns jemand mit einem Buchtitel wie "Der letzte Cheyenne" oder "Der letzte Lakota" überraschen wird.

Trotz vieler Schulungsprogramme auf den Reservatschulen und Universitäten ist die Situation fatal. Ich habe auf meinen Reisen nach South Dakota kaum ein Kind oder einen Jugendlichen getroffen, der mehr als 10 Worte Lakota sprach. Die Kinder interessieren sich einfach nicht mehr ihre Sprache, weil sie nicht mehr damit aufwachsen. Es ist ein großer Unterschied, ob man seine Sprache auf natürliche Weise als Kind vermittelt bekommt, oder ob man sie als Pflichtfach in der Schule erlernen muss. Denken Sie bitte einmal daran, wie schwer ihnen eventuell der Englischunterricht, bzw. in den neuen Bundesländern der Russischunterricht gefallen ist. Ich habe keinen ehemaligen DDR - Bürger kennen gelernt, der mehr als ein paar Brocken Russisch sprach. Die meisten Leute haben den Russischunterricht als Zwang empfunden und gehasst. Genauso geht es Indianerkindern, die per Gesetz gezwungen werden, "ihre" Sprache wieder zu erlernen. "Wozu denn? Unsere Sprache und Kultur stirbt doch sowieso. Was kann ich, als Einzelner denn dagegen tun?" bekommt man oft zur Antwort.

In dieser Situation den Zeigefinger zu erheben und zu kritisieren ist wohl kaum die richtige Methode. Leute die das versucht haben bekamen zur Antwort: "Was wollt ihr denn? Erst habt IHR uns unsere Sprache und Kultur genommen, und jetzt wollt IHR sie wieder einführen".
Und Recht haben sie, denn was haben wir uns einzumischen? Der "weiße Mann" (ich betone an dieser Stelle, dass ich das Wort als stilistische Verallgemeinerung benutze) hat sich viel zu lange in die Belange des "roten Mannes" eingemischt. Indianer erziehen ihre Kinder im Allgemeinen nicht unter Zwang, sondern durch das eigene Beispiel. Jemand, der den Indianern wirklich helfen möchte, ihre Kultur und Sprache zu bewahren, könnte sich z.B. eine indianische Sprache aussuchen und sie erlernen. Wenn er oder sie dann nach Amerika fährt und diese Sprache anwendet, dann lehrt er ohne zu kritisieren, nur durch das eigene Beispiel. Schon viele junge Indianer haben auf diese Weise zu ihrer Kultur zurückgefunden, weil sie es als peinlich empfanden, dass ein Europäer besser ihre Sprache sprechen konnte, als sie selbst.

Mein Anliegen ist es in erster Linie über die VIELFALT indianischer Sprachen zu informieren, ferner Falschinformationen und Klischees zu korrigieren und den Leuten hierzulande klarzumachen, dass es weder eine einheitliche Indianersprache, noch eine einheitliche indianische Kultur oder Religion gibt..

 



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